Die Avantgarde verkörpert eine Architektur der Hoffnung – der Hoffnung auf Veränderung, auf Verbesserung, auf ein menschlicheres Zusammenleben.
Wie können wir entwerfen, planen und bauen in einer Welt, die sich unablässig wandelt? Einer Welt, die jeden Tag zerrissener und unsicherer wird? Müssen wir diese Fragmentierung fürchten? Sie ignorieren und uns in das Ideal einer unveränderlichen Architektur flüchten? In die Architektur flüchten – wirklich?
Wir lehnen architektonische Dogmen ab: jene Dogmen, die uns glauben machen wollen, Wahrheit und Schönheit ließen sich erreichen, indem wir den alten Regeln folgen.
Die Architektur von heute: eine grammatische Fiktion, ein göttlicher Luxus, ein kristallisierter Glaube, höchster Ausdruck menschlicher Freiheit, Vorstellungskraft und Geistigkeit. Doch sie darf niemals auf das von Technokraten angestrebte Produkt reduziert werden oder sich durch das bloße Streben nach Nützlichkeit herabsetzen lassen. Architektur intermundium!
Nach einem vorgegebenen Modell zu schaffen, ist keine Kunst, sondern Industrie. Das Bauen erfüllt allgemeine Bedürfnisse; Architektur dagegen antwortet auf individuelle Bedürfnisse. Das Bauen nutzt die verfügbaren Mittel; Architektur kann über sie hinausgehen.
Architektur mit Worten zu beschreiben, ist eine schwierige Aufgabe, geprägt von Subjektivität und Auswahl. Der Entwurfsprozess verlangt zunächst, sämtliche Konventionen, Normen und Standards über Bord zu werfen. Andernfalls kann nichts Neues entstehen.
Jede Abweichung von der strukturellen Ordnung, jede „Unreinheit“, wird als Bedrohung der Werte von Harmonie, Einheit und Stabilität wahrgenommen. Die Form wurde verunreinigt.
Der dekonstruktivistische Architekt zerlegt keine Gebäude; er spürt ihre verborgenen Risse und Schwachstellen auf. Er behandelt die reinen Formen der architektonischen Tradition wie ein Psychiater seine Patienten: Er sucht nach Symptomen einer verdrängten Unreinheit. Durch ein subtiles Zusammenspiel von Schmeichelei und Gewalt wird diese Unreinheit an die Oberfläche gebracht: die Form wird hinterfragt.